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Jean de La Bruyère (* 1645; † 1696)
Jean de La Bruyère wurde am 16. August 1645 in Paris geboren. Aus einer bürgerlichen Familie stammend,
lernte er Griechisch, Italienisch, studierte Geschichte und Recht und las Thukydides, Strabo und Polybius im
Original. 1665 wurde er als Anwalt am höchsten Pariser Gericht, dem Parlement, zugelassen. Mit dem Erbe
seines reichen Onkels erkaufte er 1673 das Amt eines Rentmeisters und Steuereinnehmers in Caen und
wurde formal geadelt. Ab 1684 unterrichtete er Herzog Loius de Bourbon, den Enkel des Prince de Condé,
als Hauslehrer. Diese Stelle verdankte er einer Empfehlung des Bischofs und Académie française-Mitglied
Jacques Bénigne Bossuet. Die Nähe zum Hof ermöglichte ihm eine satirische Beobachtung der adligen
Verhaltensweisen und allgemeiner menschlicher Schwächen. Hieraus resultierte das 1688 erstmals veröffentlichte
Werk Charakterbeschreibungen von Theophrast, aus dem Griechischen übersetzt, mit den Charakter- und
Sittenbeschreibungen dieses Jahrhunderts. In wenigen Jahren erschienen mehrere, jeweils um eigene
Reflexionen und Maximen erweiterte, Auflagen. In die 8. Auflage 1693 floss seine provokante Antrittsrede
zur Wahl in die Académie française ein. Am 10. Mai 1696 starb La Bruyères überraschend in Versailles an einem
Schlaganfall. ———————————
| 1 | Die Charaktere oder Die Sitten des Jahrhunderts. Übertragen und hrsg. von Gerhard Hess. Bremen: 1978, S. 104.
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